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Di 25 Okt 2006

Gallaudet in der Krise
Proteste gegen die neue Präsidentin der Gehörlosen-Universität

Die Gallaudet-Universität in Washington DC gilt als Mekka für Gehörlose. Doch nun demonstrieren Hunderte von Studenten gegen die Ernennung einer neuen Präsidentin. Sie haben Angst, dass die gehörlose Akademikerin nicht die Interessen der Studierenden vertritt. Genauso umstritten ist, was neue Hörtechnologien und Kommunikationsmöglichkeiten für Gallaudet und ihren Versuch bedeuten, sich neu zu erfinden. Während die Studenten auf die amerikanische Gebärdensprache setzen, um miteinander zu kommunizieren, schicken immer mehr Eltern ihre gehörlosen Kinder in reguläre Schulen und Universitäten.

Über die Arroganz der Leiter seiner Alma Mater, der Gallaudet Universität in Washington, kann Joshua Finkle nur verständnislos den Kopf schütteln:

Es ist fast so wie damals, als die ganze Welt gegen Bush war, weil er Krieg gegen den Irak führen wollte. Jordan und Jane Fernandes haben die ganze Welt der Gehörlosen gegen sich. Sie wissen, dass sie Unrecht haben, tun aber trotzdem, was sie beschlossen haben.

Das Unrecht ist, dass Jane Fernandes die Nachfolgerin des Gallaudet-Präsidenten I. King Jordan werden soll. Seit zwei Wochen demonstrieren hunderte von Studenten und Professoren gegen ihre Ernennung, weil sie nicht ihre Interessen vertritt. Sie befürchten, dass Fernandes neue Technologien wie moderne Hörgeräte und nicht die amerikanische Gebärdensprache unterstützt, die als offizielle Sprache auf dem Universitätsgelände gilt.

Die 1864 gegründete, weltweit einzige Universität für Gehörlose mit ungefähr 1700 Studenten aus 31 Ländern war schon immer ein Widerstandsnest. Heftige Studentenunruhen hatten vor 18 Jahren zur Ernennung I. King Jordan zum ersten tauben Präsidenten geführt. Vizekanzlerin Fernandes, die taub geboren wurde, soll das Amt im Januar übernehmen. Davor warnt Rasty Rosen, ein gehörloser Professor an der Columbia University in New York. Er bemängelt, dass Fernandes nicht genug gegen Rassismus und Audismus - das ist die Benachteiligung von Menschen mit Gehörproblemen - auf dem Campus unternommen hat.

Kommunikationsprobleme zwischen Angestellten und Studenten gibt es auch immer noch, bestätigt Christian Vogler, ein gehörloser Wissenschaftler aus Hamburg, der am Gallaudet Forschungsinstitut tätig ist. So erstickte zum Beispiel 1990 ein Student im Würgegriff eines Campuspolizisten; er hatte sich nicht verständlich machen können. Christian Vogler:

Sechzehn Jahre später können viele Campuspolizisten immer noch nicht genug American Sign Language, um mit den Studenten zu kommunizieren, obwohl dies eine hohe Priorität sein sollte, allein zur Sicherheit und zum Wohlbefinden der Gehörlosen auf dem Campus.

Mittlerweile bekommt Gallaudet die rapiden Veränderungen in der Hörtechnologie zu spüren. Mit neuen Hörgeräten und Implantaten im Ohr lernen immer mehr taube Kinder, sich in einer hörenden Welt zu bewegen. Seit das Behindertendiskriminierungsgesetz verlangt, dass reguläre US-Universitäten Hörbehinderten beim Studium helfen sollen, verliert Gallaudet an Bedeutung - und muss um Studenten kämpfen, sagt Joshua Finkle:

Der Wettbewerb ist härter geworden. Gallaudet muss mehr tun, um Studenten auf den Campus zu holen.

Gegen ein zu großes Angebot an Technologie und Kommunikationsmöglichkeiten wehren sich allerdings viele Studenten. Sie brauchen keine Hörgeräte, weil sie sich durch flinke Gesten und Mimik miteinander unterhalten. Für sie ist nur wichtig, dass die neue Präsidentin für die amerikanische Gebärdensprache eintritt. Finkle:

Sie wollen jemand, der sie versteht. Der daran glaubt, dass die Ausbildung der Gehörlosen auch die Anerkennung der amerikanischen Gebärdensprache bedeutet, und nicht, dass man alles mal ausprobieren muss, Dolmetscher und Implantate und so. Die sind ja in Ordnung. Aber sie verschlechtern die Aussichten der gehörlosen und schwerhörigen Menschen auf eine gute Ausbildung. Die Studenten wollen, dass die neue Präsidentin die amerikanische Gebärdensprache und die Gehörlosenkultur auf eine höhere Ebene bringt - und das kann Jane einfach nicht.

Eine Meinung, die der Wissenschaftler Christian Vogler teilt. Er weiß auch, wie viel Gallaudet seinen Studenten bedeutet - und dass sie darum kämpfen werden:

Es gibt keine andere Uni, an der die Gehörlosenkultur einen so großen Stellenwert hat wie hier. Es gibt keine andere Universität, wo Gebärdensprache quasi die Amtssprache ist. Gallaudet bedeutet für viele Gehörlose ein Stück Identität, nicht einfach eine Uni.


(Text: Heike Wipperfürth in http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/556749/ - gelesen am 29.10.2006)
Sa 24 Sep 2006

Mit Händen sprechen, mit Augen hören

Vor etwa einem Jahr wurde in der österreichischen Verfassung eine zusätzliche Minderheitensprache verankert: Die Österreichische Gebärdensprache. Ein Akt von eher symbolischer Natur, denn speziell in Bildungsfragen sieht es für Gehörlose nicht gut aus.

Mit Händen sprechen, mit Augen hören (Gehörlose in der Gesellschaft)

Eine Sprache ist ein Dialekt mit einer Armee" soll der bekannte Linguist Uriel Weinrich augenzwinkernd gemeint haben. Für viele Sprachen von Volksgruppen und Minderheiten, insbesondere für die österreichische Gebärdensprachgemeinschaft, gilt das nicht.

Das zeigt das aktuelle Buch der Linguistin Verena Krausneker. In "Taubstumm bis gebärdenssprachig. Die österreichische Gebärdensprachgemeinschaft aus soziolinguisti­scher Perspektive", analysiert sie die gesellschaftliche Lage von Gebärdensprachigen in Österreich.

Die gebärdende Sprachminderheit in Österreich ist klein. Mit den Händen sprechen und mit den Augen hören in Österreich etwa 8.000 gehörlose Menschen. Dazu kommen schätzungsweise weitere 2.000 hörende Personen, meist Verwandte, Dolmetscher und Forscher, sagt die Linguistin Verena Krausneker: "Rund 90 Prozent der gehörlos geborenen Kinder haben hörende Eltern. Das heißt, die Eltern können ihrem Kind kaum oder nur sehr schwer ein sinnlich völlig fassbares Sprachsystem vermitteln."

Zweisprachiges Lebensumfeld

Als Erst- und damit Muttersprache der Kinder gelten sollte nämlich die Gebärdensprache des Landes, denn nur die können die Kinder ohne Verluste und Zusatzanstrengungen wahrnehmen, sagt Krausneker. Aktuelle Studien zeigen, dass gehörlose Kinder, die von Geburt an in einem gebärdensprachlichen Umfeld aufwachsen, dieselben Spracherwerbs­phasen durchlaufen, wie hörende Kinder in einer lautsprachlichen Umgebung.

"Über die natürlich erworbene gebärdete Erstsprache lässt sich wohl auch leichter eine beliebige Lautsprache erwerben, etwa das Deutsche", so Krausneker, Vorstandsmitglied des Österreichischen Gehörlosenbundes. Sie bedauert, dass in Österreich der Erwerb der Gebärdensprache im internationalen Vergleich nicht hinreichend gefördert wird.

Problematische Bildungssituation

Derzeit gibt es in Österreich sechs Sonderschulen für gehörlose Kinder und Jugendliche, nicht einmal eine in jedem Bundesland. Von den etwa 240 Lehrenden, die Gehörlose unterrichten, sind nur vier Pädagoginnen gehörlos. Der Unterricht in der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) ist im Lehrplan dieser Schulen nicht verankert. Zudem werden nur stark mangelhafte Deutsch-Kenntnisse vermittelt.

Denn Studien über die lautsprachlichen Kompetenzen der gehörlosen Schulabgänger zeigen, dass diese im Alter von etwa sechzehn Jahren den durchschnittlichen Wortschatz eines sechsjährigen hörenden Kindes haben. Auch die Analphabetismusrate ist überdurchschnittlich hoch.

Krausneker zufolge ist der Hauptgrund, dass Lehrende, die an Gehörlosenschulen unterrichten, nicht die Gebärdensprache beherrschen müssen: "Das heißt, dass das derzeitige Lehrpersonal nicht in der Lage ist, die Fremdsprache Deutsch den Bedürfnissen gehörloser Schüler gemäß zu vermitteln."

In Österreich gibt es zudem kein spezielles Unterrichtsmaterial für gehörlose Kinder. Diese könnten Deutsch viel leichter erlernen, wären die Unterlagen optisch gut aufbereitet und auf ihre didaktischen Bedürfnisse zugeschnitten.

Arbeitsfreistellung und Gratis-Unterricht für Eltern

[color=red]In Dänemark oder Schweden sei die Situation deutlich besser, dort wurden spezielle Lehrmittelzentren eingerichtet. Außerdem sichere man in den skandinavischen Ländern gehörlosen Kindern das Recht auf Sprache und mindere so den Anpassungsdruck.

"In diesen Ländern gibt es konkrete Angebote für die Eltern gehörloser Kinder. Etwa 400 bis 600 Stunden kostenlosen Unterricht in Gebärdensprache und Arbeitsfreistellung. [/color]Für Österreich ist das visionär zu sehen, dass für ein gerade geborenes gehörloses Kind staatlicherseits das Recht auf Sprache geregelt werden kann indem man den Eltern Angebote macht", sagt Krausneker.


(Text: Tanja Malle in http://oe1.orf.at/highlights/65782.html - gelesen am 24.09.2006)
Do 23 Jun 2006

E-Learning mit Gebärdensprache

Quelle: http://www.reticon.de/news/1285.html
Mit AILB ist jetzt die weltweit erste multimediale, netzbasierte E-Learning-Plattform in Gebärdensprache entwickelt worden. Sie ermöglicht es, Gehörlosen einen Einstieg in die Berufsbildung, da rein verschriftlich vorliegende Angebote von Gehörlosen nur schwer genutzt werden können.

"Die Gebärdensprache ist die natürliche Sprache der Gehörlosen. In ihr werden Kombinationen aus Handformen, Handstellung, Ausführungsort und Bewegung sowie Gesichtsausdrücken als sprachliche Zeichen verwendet. Sie beruht nicht auf der gesprochenen Sprache, sondern ist eine selbstständige Sprache mit eigener Grammatik und eigenen Sprachkonventionen, aber ohne Verschriftlichung.
Das macht das Erlernen der Schriftsprache für Gehörlose sehr schwierig. Entsprechend verfügen Gehörlose zumeist nur über begrenzte Schriftsprachkompetenz und können zusammenhängende Texte nur schwer erfassen. Alltag, Ausbildung und vor allem der Berufseinstieg ist für Gehörlose dadurch erheblich schwieriger als für Hörende." (Quelle: bildungsklick.de)
Die jetzt vorgestellte Lernplattform AILB wurde vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT und dem Deaf and Sign Language Research Team der RWTH Aachen (DESIRE) entwickelt.
Sie präsentiert Inhalte verbunden mit Videos in Gebärdensprache und möchte so auch den Weg zur Textstrukturierung und Textverständnis eröffnen:
"Um die Schwierigkeiten mit der Schriftsprache abzubauen, werden den Teilnehmern in AILB Strategien zum systematischen Textverstehen vermittelt. Diese öffnen den Gehörlosen das Tor zur schriftlichen Kultur und ermöglichen Weiterlernen auf schriftlicher Basis. Darüber hinaus können die Teilnehmer Grundlagen der Mathematik lernen." (Quelle: Fraunhofer FIT)
Die Plattform wird im Juli der Öffentlichkeit präsentiert werden, wir haben Ihnen einige weitere Informationen zusammengestellt.
Weitere Informationen
Do 16 Jun 2006

Angola: Benguela: Sonderschule stellt Wörterbuch für Gebärdensprache vor.

Quelle: http://allafrica.com/stories/200606160746.html

Angola Presseagentur (Luanda)

Benguela:
Ein Angolisches Gebärdensprachwörterbuch für Gehörlose wird diesen Freitag in der südlichen Provinz Benguela vom Vorstand der hiesigen Sonderschule vorgestellt.
Nach Angaben vom Direktor Osvaldo Gomes, umfasst das Wörterbuch spezifische Gebärden und wird nicht nur von Sonderschulen verwendet, sondern von allen gehörlosen Personen. Er sagte weiter, dass em Freitag ebenfalls die Einweihung eines "Solarsystem der Kommunikation" für Gehörlose vorgesehen ist, welches mit elektrischer Energie arbeitet. Diese Aktivitäten sind Teil der Gedenkefeiern zum 15. Jahrestage der Bestehung der Sonderschule von Benguela und zum "afrikanischen Tag der Kinder" am 16. Juni.
(Übersetzung aus dem englischen von *plh*)
Mi 27 Apr 2006

www.daaflux.lu

daaflux.jpg
Die Website von DAAFLUX die von Gehörlosen selbst erstellt und betreut wird ist fertig und geht online.
Meine provisorische Seite über DAAFLUX wird dadurch abgelöst :-)
Di 29 Mär 2006

"Solidarität mit Hörgeschädigten"-Website

solidaritat.jpg Website online
Di 22 Feb 2006

"Solidarität mit Hörgeschädigten"-Website

Der Dachverband der Hörgeschädigten in Luxemburg arbeitet an einer Website.
solidaritat.jpg (Vorabversion sieht optisch schon mal gut aus - Benutzt CMS-Joomla)
So 20 Feb 2006

DAAFLUX-Website

DAAFLUX arbeitet an einer eigenen Website.
So 13 Feb 2006

FORUM

Seit heute gibt es auf dieser Seite auch ein Diskussionsforum. Viel Spass beim Diskutieren und bleibt immer schön sachlich und freundlich.
So 06 Feb 2006
http://www.dgsd.de/Deaf/gebspra.html
Sa 05 Feb 2006
Heute kam der erste Besucher auf meine Seite von http://dovenwereld.boogolinks.nl (eine der grössten Linksammlungen im Web zum Thema 'Gehörlosigkeit') - in der Rubrik "Luxembourg" sind wir mit "DGS" verlinkt.
Fr 04 Feb 2006

DGS-Kurse in Luxemburg

Im April sollen DGS-Kurse in Luxemburg anlaufen. Genauere Infos folgen.
Interessenten schauen von Zeit zu Zeit mal hier vorbei. Oder melden sich bei mir, ich leite eventuelle Anfragen gerne weiter.
So 30 Jan 2006
samuel/samuel-box.jpg Ist das nicht ein süßes und fröhliches Kind, Samuel, der "boy in a box"? Er lebt in Luxemburg, ist gehörlos, hat zwei hörende Schwestern und hörende Eltern. Die mussten sich, wie alle Eltern, mit der Gehörlosigkeit auseinandersetzen. Das haben sie sehr intensiv getan, und sie sind zu Entscheidungen gekommen, die heute nicht unbedingt selbstverständlich sind: Gegen das CI und für die Gebärdensprache. Und da in Luxemburg gehörlose Kinder auf Deutsch unterrichtet werden, fordert Samuels Vater Paul Hendriks konsequenterweise auch die Anerkennung der DGS in Luxemburg. Und er hat eine Website erstellt, auf der er seine Erfahrungen mit seinem Sohn ausführlich darstellt. Sicherlich auch interessant für andere Eltern! (www.taubenschlag.de)
Herzlichen Dank an Karin Kestner, die meine Seite beim Taubenschlag vorgeschlagen hat. Die Besucherzahl hat sich daraufhin schlagartig erhöht. Es haben sich auch einige per e-Mail gemeldet und mir viel Ermunterung zukommen lassen, mit dieser Seite weiterzumachen. - Vielen Dank, ich freue mich über jede Mail und Anregung. - Ich werde versuchen auf jede Mail zu antworten (kann aber etwas dauern).
Samuel - ein Kind lernt Gebärdensprache. Samuels Vater habe ich vor einiger Zeit schon als sehr engagierten Vater kennen gelernt. Wie engagiert er ist, zeigt er auf seiner Website. Er stellt die Ergebnisse seiner Recherchen über CI und Gebärdensprache allen Eltern, die vor der Entscheidung stehen, ob sie ihr Kind implantieren lassen oder nicht, zur Verfügung. (www.kestner.de) Auch der Österreichische Gehörlosenbund hat einen Link auf meine Seite gesetzt. Sogar mit Video in Österreichischer Gebärdensprache :-)