<== Das neue Behindertengleichstellungsgesetz in Deutschland - ein nachahmenswertes Modell in Luxemburg?

 "parlamentarische Anfrage No 2406 vom 25. September 2003 des Abgeordneten Camille GIRA (PDF:195Kb)"

Luxemburg, den 25 September 2003
Herr Jean Spautz
Parlamentspräsident

Sehr geehrter Herr Präsident,
In seiner Entschließung zur Zeichensprache für Gehörlose vom 17. Juni 1988 fordert das Europäische Parlament die Förderung und Umsetzung der Anerkennung nationaler Zeichensprachen in den EU-Staaten Schritt für Schritt zu realisieren. Im Rahmen des europäischen Jahres der Behinderten stellt sich heute die Frage, was in Luxemburg in den vergangenen 15 Jahren in diesem Bereich in die Wege geleitet wurde.
Ich möchte deshalb folgende Fragen an die Ministerin für Familie und soziale Solidarität sowie die Ministerin für nationale Erziehung richten:
  1. Wie viele Hörgeschädigte zählt Luxemburg augenblicklich? Wie viele davon sind unter medizinischen (Lautsprache kann auch mit apparativer Versorgung nicht vornehmlich übers Ohr aufgenommen werden, englisch "deaf") bzw. kulturellen (im Sinne der Gemeinschaft und der Minoritätenkultur, englisch "deaf") Gesichtspunkten als gehörlos einzustufen?
  2. Die Gemeinschaft der gehörlosen Menschen bildet eine Sprachminderheit, deren Sprache die jeweilige nationale Zeichensprache ist. Inwiefern wurden bisher Anstrengungen unternommen, die Zeichensprache in Luxemburg offiziell anzuerkennen?
  3. In der oben genannten Entschließung werden die Mitgliedstaaten mit Nachdruck aufgefordert, die. Forschungstätigkeit im Hinblick auf die Veröffentlichung von Wörterbüchern der jeweiligen nationalen Zeichensprachen zu unterstützen. Existiert eine wissenschaftliche Forschungstätigkeit in diesem Sinne? Wird dabei den Besonderheiten der Luxemburger Zeichensprache, beispielsweise in Abgrenzung zur "Deutschen Gebärdensprache (DGS)", Rechnung getragen?
  4. Für Menschen, die im Laufe ihres Lebens das Gehör verlieren, ist die Zeichensprache oft die einzige Möglichkeit, nicht zu vereinsamen und wieder mit anderen Menschen kommunizieren zu können. Welche Möglichkeiten werden diesen Menschen geboten, die Zeichensprache zu erlernen?
  5. Das europäische Parlament fordert nicht nur gehörlose, sondern auch "hörende Kinder und Erwachsene durch entsprechend ausgebildete Gehörlose in der Zeichensprache zu unterrichten". Werden die gehörlosen Kinder in Luxemburg systematisch in Zeichensprache unterrichtet? Werden den Lehrern dieser Kinder systematisch Fortbildungen in diesem Bereich angeboten? Welche Instanzen prüfen die Zeichensprachkenntnisse der betreffenden Lehrer? Werden gehörlose Lehrer ausgebildet? Wenn ja, werden diese im Unterricht bei hörgeschädigten und hörenden Kindern eingesetzt?
  6. Inwiefern werden Eltern gehörloser Kinder über die Zeichensprache informiert? Welche Möglichkeiten werden ihnen geboten, um die Zeichensprache zu erlernen, und wie wird diese Ausbildung finanziert?
  7. Wird der Beruf des "Gehörlosendolmetschers", wie vom Europäischen Parlament gefordert, in Luxemburg offiziell anerkannt? Wurden, wie weiter gefordert, "unter Anleitung der nationalen Verbände der Gehörlosen Ausbildungs- und Beschäftigungsprogramme fur hauptberufliche "Gehörlosendolmetscher" ausgearbeitet?
  8. Wurden, wie gefordert, Anstrengungen unternommen, "alle Regierungsverlautbarungen über Sozialleistungen, Gesundheit und Beschäftigung den Gehörlosen mit Hilfe der Zeichensprache über Video" bekannt zu geben?
  9. Wurden die Rundfunkanstalten angehalten, "Fernsehnachrichten, politische Sendungen und [...] eine Auswahl kultureller Programme und Sendungen von allgemeinem Interesse" in die Zeichensprache oder zumindest in Untertitel zu übertragen?
  10. Nimmt Luxemburg am Austausch von zeichensprachkundigen Personen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft teil?
  11. Welche finanzielle Unterstützung ist für den Ausbau von Dienstleistungen für Gehörlose vorgesehen? Welche Dienstleistungen werden bisher angeboten?
Hochachtungsvoll
Camille Gira
==> Antwort von Frau Marie-Josée Jacobs, Ministerin für Familie, soziale Solidarität und Jugend und von Frau Anne Brasseur, Ministerin für nationale Erziehung, berufliche Ausbildung und Sport